Bernd Reuther

Porträt von Bernd Reuther im Tagesspiegel Background Mobilität & Transport

Als Bernd Reuther sich für den Bundestag bewarb, war alles andere als klar, ob er auch einen Sitz im Parlament ergattert. Die FDP war in der außerparlamentarischen Opposition und Listenplatz 13 in Nordrhein-Westfalen auch nicht der Beste. Reuther hielt den Ball flach, auch um seinen damaligen Arbeitgeber Hochtief nicht nervös zu machen. 

Doch nachdem die Liberalen bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017 mit fast 13 Prozent ihr bestes je erzieltes Ergebnis in dem Bundesland eingefahren hatten, schaute Reuthers Chef bei ihm vorbei. „Der Vorstand wollte wissen, wie unwahrscheinlich es jetzt wirklich noch sei, dass ich nicht in den Bundestag komme“, erinnert sich Reuther und lacht. Da die Liberalen nicht nur den Wiedereinzug ins Parlament schafften, sondern sogar fast elf Prozent holten – deutlich mehr als die Grünen –, reichte es für Reuther locker.

Als Abgeordneter mit Sitz im Verkehrsausschuss kümmert sich der Politiker aus NRW nun um alles, was schwimmt und fliegt. Zur Schifffahrt, für die sich sonst eher Abgeordneten mit Wahlkreisen an der Küste interessieren, ist Reuther auch über einen alten Job gekommen. Beim Duisburger Hafen, bekannt für seine Anbindung an die neue Seidenstraße, war er mal Abteilungsleiter.

Genscher und Rexrodt prägten seinen Weg 

Berufspolitiker wurde Reuther recht spät, in der Politik ist der heute 48-Jährige aber schon lange unterwegs. Schon mit 18 Jahren trat er in die FDP ein. Es war die Wendezeit, Aufbruch lag in der Luft und die Liberalen um Hans-Dietrich Genscher fand er damals aufregender als die politische Konkurrenz. „Na und ein Freund war schon in der Kommunalpolitik aktiv, da bin ich dann mal mitgegangen.“

Der Kreis schloss sich mehr als ein Jahrzehnt später: In der sachsen-anhaltischen Heimat des langjährigen FDP-Außenministers wurde Reuther für drei Jahre stellvertretender Regierungssprecher, als die FDP bei einem ihrer Zwischenhochs in Magdeburg in der Regierung gelandet war. „Ich komme aus Wesel, also fast Holland, tiefer im Westen geht es kaum“, sagt Reuther, „da war das für mich mit damals Anfang 30 eine tolle Sache: andere Biografien, neue Perspektiven, auch die Mentalität.“

Seine liberalen Sporen hatte sich Reuther zuvor als Mitarbeiter im Abgeordnetenbüro von Günter Rexrodt verdient, wo der Sozialwissenschaftler nach dem Studium seine Berufslaufbahn begann. Beim ehemaligen Bundeswirtschaftsminister, ein echtes Schwergewicht in seiner Partei, war die Lernkurve für den jungen Mitarbeiter steil. „Mein Verständnis, wie Wirtschaft und Politik zusammenhängen, hat sich damals so richtig entwickelt“, sagt Reuther.

„Verbote und Verteuerung sind der falsche Weg“

Während die Binnenschifffahrt Reuther als „unterschätzter Verkehrsträger am Herzen liegt“, ist in der Luft politisch gerade mehr in Bewegung. Kaum ein Tag verging in den letzten Wochen ohne neue Vorschläge, wie das Fliegen für den Klimaschutz verteuert werden könnte. Bis tief in die Union reicht die Zustimmung, etwa für die nun von der Koalition beschlossene Anhebung der Luftverkehrsabgabe (Background berichtete).

Dass die FDP Steuererhöhungen nichts abgewinnen kann, ist zwar weder neu noch überraschend, in der Flugscham-Debatte aber ein fast originelles Alleinstellungsmerkmal. „Verbote und Verteuerung sind der falsche Weg“, sagt Reuther. Eine nationale Kerosinsteuer etwa würde nur zu „Tank-Tourismus“ führen und am Ende mehr Emissionen verursachen als einsparen.   

„In einer globalisierten Welt ist die Freiheit, fliegen zu können, sich beruflich und persönlich weiter zu entwickeln, ein wichtiges Gut“, findet Reuther, „eine Verteuerungs- und Verbotsdebatte ist der falsche Weg.“ Wenn junge Leute nach dem Abitur an Work-and-Travel-Programmen auf anderen Kontinenten teilnehmen und so ihren Horizont erweitern, sei das gut für sie und gut für die Gesellschaft, in die sie zurückkommen.  

Innerhalb Deutschlands und Europas sei es eine Frage des Schienennetzes und der Bahnverbindungen, ob die Menschen auf den Flieger verzichten könnten. „Wo die Bahn eine Alternative anbietet, steigen die Leute um und fallen Flugverbindungen weg, wie wir bei der Strecke Berlin-Nürnberg gesehen haben“, sagt Reuther, „aber wenn es das nicht gibt oder die Bahn unzuverlässig ist, sind die Leute auf das Flugzeug angewiesen“. Felix Wadewitz

Fahrrad oder Ferrari?

Fahrrad, und zwar am Niederrhein. Wir sind ja eine Radler-Hochburg. Meine Frau und ich fahren viel über die Deiche entlang des Rheins.

Welche Mobilitäts-Apps nutzen Sie und warum gerade diese?
Bahn, Lufthansa, Uber im Ausland, FreeNow (früher MyTaxi) und verschiedene E-Scooter-Apps, um das auszuprobieren.

Wer gibt in der Mobilitätsbranche das Tempo vor?
Die gesellschaftliche Debatte, was gut ist. Ob daraus dann die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden – Stichwort: Elektro-Autos und Technologieoffenheit – werden wir dann sehen.

Wo würden Sie gerne das Rad neu erfinden?

Vor allem im ländlichen Raum liegt viel im Argen, da brauchen wir dringend intelligente Verkehrskonzepte. 

Von Felix Wadewitz 

Veröffentlicht mit Genehmigung durch Tagesspiegel Background